Garten naturnah

Naturnah Pflanzen und Lebensraum für Tiere schaffen

Das wertvollste was und die Natur gibt, sind ausreichend Nahrung, sauberes Wasser und reine Luft. Davon haben wir in unserer Region eine ganze Menge. Das Gute ist, dass auch kleine Maßnahmen schon eine große Wirkung für die Natur haben. Jeder hat die Möglichkeit, die Natur zu bewahren und ein Stück an sie zurück zu geben.

Was können wir also auch im kleinen Garten machen?  Ganz wichtig: Pflanzt so einheimisch wie es geht und achtet auf ungefüllte Blüten! Lest einfach vor dem Kauf kurz nach, googelt den Namen der Pflanze oder z.B. Bienenweide. Optimal sind nützliche Anpflanzungen von März bis Oktober.  Mit Insekten und Vielfalt im Garten lassen sich Vögel nicht lange bitten. Übrigens Fledermäuse fühlen sich bei großem Insektenangebot auch eingeladen. Wenn alles was kreucht und fleucht in unseren Gärten ist haben wir das große Glück, sie beobachten zu können.

Pflanzt anstelle von Thuja- oder Kirschlorbeerhecken eine Hainbuchenhecken oder einen Mix aus unterschiedlichen Büschen wie Schneebeere, Breite Strauchmispel, Perlmuttstrauch, Roter Hartriegel, Wildrosen um nur einige zu nennen. Diese Sträucher bieten den Insekten Nahrung und den Vögeln im Winter Futter. Der Vorteil ist, dass Vögel im Winter weniger auf unsere Fütterungen angewiesen sind und wir nur ein bisschen dazu füttern müssen.

Jedes kleine und große Tier wird auch dankbar sein, wenn von März bis Oktober Wasserschalen für sie bereit stehen. Diese wollen regelmäßig sauber gehalten werden. Für die kleinsten Insekten können ihr noch Steine reinlegen. Die Insekten finden sich zum trinken ein und die Vögel nehmen auch gleich noch ein ausgiebiges Bad.

Einen kleinen Totholzhaufen könnt ihr anlegen oder einfach liegen lassen. Dieser bietet Unterschlupf für viele Insekten. Eine naturnahe Alternative zum Zaun kann eine Benjeshecke sein. Sie bietet vielen Lebewesen einen geschützten Lebensraum. Im Tipidorf wurde eine große Benjeshecke im letzten Jahr angelegt. Dort könnt ihr euch Anregungen holen. Auch Laubhaufen in der hintersten Ecke des Gartens sind nützlich. Verblühte Pflanzen und Sträucher bieten Winterquartiere. Unser Tipp: einfach mal was stehen und liegen lassen im Winter für Larven und Puppen vieler Nützlinge.

Das ist die Lebensgrundlage die wir erhalten müssen. Wir gehen rücksichtsvoll mit unserer Umwelt um, die uns das gibt, was wir zum Leben brauchen.


Für die Challenge Lebensraum für Tiere hatte Jeannine Schnörr folgenden Beitrag geschrieben, der den naturnahen Garten besonders im Hinblick auf die natürlich vorkommende Tierwelt beleuchtet:

Das Thema „Lebensraum für Tiere“ liegt mir sehr am Herzen und wir auf dem Ländle haben die besten Voraussetzungen, den Tieren ihre Lebensbereiche zu belassen oder neue zu schaffen.

Da in unserer Region kaum alte Häuser und auch keine alten Höfe zur Sanierung vorhanden sind wird natürlich neu gebaut. Viele Bäume werden gefällt (oft auch leider alle) und das gesamte Grundstück wird regelecht auf den Kopf gestellt. Das ist für Flora und Fauna erst einmal eine Katastrophe. Wir haben auf unserem Grundstück einen Waldanteil stehen gelassen aber auch immerhin 80 Bäume gefällt und rundherum alles umgegraben. Bisher haben wir 16 Bäume gepflanzt. Darunter sind Elsbeere, Baumhasel, Eberesche, Kirsch- und Apfelbaum und Mirabelle. Nützliche Wildgehölze, wie Wildapfel, Schlehe, Weiß- und Kreuzdorn sind Stück für Stück dazu gekommen und bestimmt 25 unterschiedliche Wildstraucharten. In Unkenntnis haben wir Forsythie und Flieder gepflanzt.  Diese Sträucher sind für uns schön anzusehen, haben aber keinen Nutzen für Insekten. Die Vögel freut es auf jeden Fall, denn dort finden sie Schutz und halten Großversammlungen ab. Mit Interesse für die Natur, den Blick auf unsere spannende Tierwelt und nützlichen Anpflanzungen haben wir die Möglichkeit, der Natur etwas zurück zu geben. Das haben mein Mann und ich bisher versucht, bestmöglich umzusetzen und unser Gartenprojekt ist natürlich noch lange nicht fertig. Wahrscheinlich kann oder sollte ein Garten auch nie fertig werden. Hummeln waren ja irgendwie schon immer da. Beschäftigt habe ich mich mit dem Lebensraum und vor allem, was sie zu welcher Jahreszeit dringend brauchen, erst später. Als ich vor 3 Jahren die ersten Hummeln an zwei Anis-Ysop in unserem Garten beobachtet habe und wunderschöne Fotos machen konnte war mein Interesse für die sanften Brummer geweckt.

Daraufhin habe ich mein erstes Projekt den Bau eines Insektenhotels gestartet. Das Holz war natürlich unbehandelt und als Witterungsschutz habe ich mich für Sonnenblumenöl entschieden. Wennschon dennschon, für meine Wildbienen sollte es nur das Beste sein. Natur pur eben! Im Laufe der Bauzeit habe ich aber gelesen, dass sich außer kleinen Wildbienen wenig andere Insekten für diesen Lebensraum interessieren und Hummeln überwintern fast alle im Boden. Also sollte es eben ein Bienenhaus werden. Zum Schutz vor Vögeln, die gerne die Niströhren ausräubern, ist einen Draht davor gespannt. Die kleinen Niströhren waren im darauffolgenden Jahr bereits bezogen und die ersten Löcher verschlossen. Welche Arten die Niströhren nutzen habe ich bisher nicht entdecken können. Das macht aber nichts, denn es freut mich zu sehen, dass ich einen kleinen Überlebensraum schaffen konnte. Da die großen Niströhren bisher keine Mieter angezogen haben, werde ich nochmal nachrüsten und weitere schmalere Niströhrchen anbieten.

Eine kleine Natursteinmauer für Krabbeltiere aller Art habe ich mit Unterstützung meiner Familie um mein Bienenhaus angelegt. Rundherum haben nützliche Pflanzen und Sonnenanbeter, wie Steinkraut, Mauerpfeffer, Hauswurz, Fette Henne, Anemonen, Astern und natürlich meine Super-Bienen-Schmetterlings-Magnete Anis-Ysop einen Platz bekommen. Mittlerweile hat sich auch die Walderdbeere zwischen allen breit gemacht und die Lücken geschlossen.
Ein weiterer Lebensraum auf unserem Grundstück ist ein liegen gelassener Holzhaufen. Zugegeben er ist nicht so richtig schön und war innerhalb meiner Familie anfangs etwas umstritten. Da wir das Holz übrig hatten und ich einen Totholzhaufen so wichtig fand, konnte ich meinen Mann überzeugen. Der Haufen durfte bleiben! Bisher habe ich Rosenkäfer entdeckt und zum ersten Mal haben wir riesige Holzbienen im Garten. Da muss es doch einen Zusammenhang geben.

Trockenmauern finde ich so urig und lege sie da an wo ich denke, dass sie einen Nutzen bringen. Das sind an dieser Stelle Schattenplätze und feste Rückzugsorte. Hinter der Mauer ist eine alte Palette verbaut und mein Mann hat Dielenbretter drauf geschraubt. Fertig war der Unterschlupf. Den Bereich versuche ich etwas in Ruhe zu lassen und gebe meinem Ordnungsdrang so wenig wie möglich nach. Lasse also auch die Blätter der Hainbuchenhecke liegen. Bald ist alles zugewachsen und von der Mauer nichts mehr zu sehen. Also wenn ich ein Käfer, eine Spinne oder anderes Insekt wäre, würde ich zumindest mal nachschauen, ob sich ein geeignetes Plätzchen findet.

Mein neuestes Versuchs-Projekt ist die Abmagerung einer kleinen Rasenfläche. So möchte ich ein Biotop schaffen, dass wenig bis gar nicht gewässert werden muss. Das ist schließlich auch ein immer größer werdendes Thema, gerade in unserer Region. Bisher haben wir diese Fläche entweder zu viel gewässert oder zu wenig. Spaß hat es uns nicht gemacht, die Fläche zu pflegen. Eigentlich fand ich Rasen etwas langweilig und wenn er dann noch ungepflegt ist, hat keiner was davon.

Einen schönen Platz neben der Versuchsfläche haben nun ungefüllte Bodendecker-Rosen, Lavendel, Storchschnabel und Minze gefunden. Mohnblumen, Wilde Malven und jede Menge Löwenzahn waren schon da oder haben zu meiner großen Freude den Weg alleine gefunden. Ich lasse mich überraschen was sich in diesem Jahr ansiedelt oder wieder aussät. Es wird jedenfalls mit jedem Jahr üppiger und ich habe Insekten entdeckt, die ich bisher nicht gesehen habe oder kannte. Wie beispielsweise einen 40 cm langen Regenwurm oder Schmetterlinge, die auch immer öfter vorbeiflattern und am Buffet – unserer Bienenweide - naschen. Wer weniger Platz hat kann auch die Baumscheiben mit Frühblühern bepflanzen.

An unsere Gartenvögel haben wir auch gedacht und ein kleines selbst gebautes Vogelhäuschen aufgestellt. Das wird von Oktober bis März gut besucht. Von April bis September müssen sich die Piepmätze das Futter auf unserer Wildwiese, in Büschen, Sträuchern bzw. unseren Vogelnährgehölzen, wie Felsenbirne, Sanddorn, Gemeiner Schneeball, Schlehe und Eberesche, suchen. Das ganze Jahr, wenn die Witterung es zulässt, stelle ich an vielen Stellen Wasserschalen auf. Ganz wichtig ist dabei die regelmäßige Reinigung und Steine lege ich auch noch rein für klitzekleine und große durstige Besucher. Wenn die Vögel zum trinken und baden kommen ist es ein schöner Anblick. Auch unsere Vogelhäuschen werden angenommen und dabei sind nicht nur die versteckt hängenden Nisthilfen beliebt. Etwas unfreiwillig haben wir in den letzten 2 Jahren für Amseln Nistplätze zur Verfügung gestellt. Der Specht hat ganze Vorarbeit geleistet und in unseren Dachfirsten Wohnraum geschaffen. In diesem Jahr glaubten wir erst, dass 2 Amselpaare eingezogen sind. Wir habe uns geirrt, es sind keine Amseln sondern Stare. Ich bin gespannt, ob die Stare ein zweites Mal brüten und ob sie früher an unseren Beeren naschen als wir. Ich werde es euch berichten.

Das Interesse für mein Projekt im Herbst 2020 ist im Tipidorf entstanden. Dort wurde auf der Waldfläche von vielen Freiwilligen eine ziemlich lange Benjeshecke gebaut, ein tolles Projekt! Das hat mich so sehr begeistert, dass ich auch eine kleine Benjeshecke nachgebaut habe. Worauf es ankommt ist, nicht einfach alles raufwerfen sondern für mehr Stabilität ineinander verflechten. Das habe ich ja zuvor gelernt. In unserem Waldstück ist der perfekte Platz dafür, etwas abseits und halbschattig. Ich hoffe, dass Igel dort Winterschutz gefunden haben. Bestenfalls brüten auch Vögel eine Etage höher. Aber auch dort lasse ich die Natur einfach mal in Ruhe.

Es würde mich freuen, wenn ich euch für Vielfalt im Garten begeistern kann und wünsche euch viel Freude beim pflanzen, säen und gärtnern.

Eure Jeannine Schnörr

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Hier Jeannines Text komplett mit den Fotos im Text, das macht das Lesen noch interessanter
Lebensraum für Tiere_Jeannine Schnörr_Ko
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Kontakt:

Wer Fragen hat oder sich austauschen möchte, wende sich bitte an Manuela Riemer und Jeannine Schnörr | tipikult@online.de


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